Stellungnahme des Elternbeirats: „Grundschule Süd muss an den Standort Heusteigschule“

Stellungnahme des Elternbeirats der Heusteigschule am 3. Mai 2016

  1. Die kleinsten Schulkinder dürfen nicht an der dreckigsten Straße der Stadt unterrichtet werden

Mit der Zusammenlegung beider Grundschulen ergibt sich die einmalige historische Chance, die neue Schule endlich von der Verkehrsschneise B14 wegzurücken. Derzeit müssen die Kinder am Standort Römerschule in verschlossenen Schulräumen unterrichtet werden, in der Luft nur gefiltert durch Umwälzanlagen in die Klassenräume hineingepumpt wird. In der Heusteigschule lassen sich alle Klassenräume zum Friedhof mit entsprechender Frischluft öffnen. Im Pausenhof spielen und toben sie nicht neben Pflanzen, die angeblich den Dreck fressen .

Die Schadstoffbelastung war eine zentrale Begründung für den Prüfauftrag vom 30.4.2013 (GRDrs 280/2013). Sie ist in der aktuellen Vorlage (GRDrs 27/2016) aber mit keinem einzigen Wort erwähnt. Wir halten es für fahrlässig, dieses Argument tot zu schweigen. Wir fragen die Verwaltung, warum die Schadstoffbelastung nicht Bestandteil der Prüfung ist. Wir bitten um Messung der Schadstoffbelastung an beiden Standorten in den Klassenräumen und in den Pausenhöfen. Wir bitten um Berücksichtigung bei der Entscheidung für den Standort. Wir wollen unsere Kinder nicht dem Dreck aussetzen, wenn es wissentlich die bessere Alternative – den Standort Heusteigschule – gibt. Auch eine Verwaltung muss sich fragen lassen, was ihr die Gesundheit unserer kleinsten Schüler wert ist!

Blick aus dem Fenster - parkartig. Grün und Frischluft gehören zum Unterrichtsalltag Alle Fenster lassen sich öffnen in der Heusteigschule Alle Klassenräume sind zum Friedhof ausgerichtet

  1. Der Standort Römerschule ist zu klein für die Grundschule Süd

Bereits jetzt ist die Römerschule ohne rhythmisierten Ganztagesbetrieb platzmäßig an der Obergrenze. Wie in dem Gebäude ein im Endausbau dreizügiger rhythmisierter Ganztag mit 300 Schülern nach städtischem Standard untergebracht werden soll, ist schleierhaft. Die räumlichen Berechnungen gehen aus der Vorlage nicht hervor. Nach unseren Berechnungen kann es sein, dass je nach Wahl der Eltern Vierzügigkeit die Folge ist. Das ist in der aktuellen Vorlage nicht berücksichtigt. Wir warnen davor, eine Schule zu planen, die bereits jetzt zu klein ist, nur um ein anderes Gebäude rasch frei zu bekommen. Wir plädieren für den Standort Heusteigschule, denn hier ist genügend Platz.

Bei der Frage der künftigen Schulform zitiert die Vorlage den Beschluss der beiden Schulkonferenzen vom 26. Januar 2016 falsch. Die neue Schule soll keine Ganztagesschule in Wahlform werden, sondern eine Ganztagesschule mit Start in Wahlform. Hierin steckt das Bekenntnis beider Schulen zum gebundenen, rhythmisierten Ganztag im Endausbau. Entsprechend muss der Bedarf an Räumlichkeiten für individuelles Lernen, für den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung, für AG-Angebote, für Bewegung und andere Aktivitäten bereits jetzt passend ausgelegt sein. Um nicht in vier Jahren feststellen zu müssen, dass alles zu knapp geplant war. Wir plädieren daher für den Standort Heusteigschule, um diese Chance für genügenden Platz jetzt zu nutzen.

Die Berechnung der Schülerprognose stellen wir in Frage. Die Heusteigschule hat im Schuljahr 16/17 bereits mehr Anmeldungen als in der Tabelle erwähnt. Warum sind nicht die tatsächlichen (höheren) Zahlen Grundlage für die Berechnungen? Was ist mit Geschwisterkindern aus dem alten Schulbezirk, die in die Grundschule Süd umschulen werden wollen? Warum erwähnt die Verwaltung mit keinem Wort die Vorbereitungsklassen? Warum werden die Flüchtlingskinder in unserem Viertel nicht mitgezählt? Unser Eindruck: Die Zahlen werden kleingerechnet, um die Römerschule als „passenden“ Standort durchzupeitschen.

  1. Eintausend Petenten fordern: Pädagogische Kompentenz „Ganztag“ mit dem Standort Heusteigschule erhalten – Qualitätsstandards sichern, Kinder im Übergang schonen

Die Online-Petition „Für den Erhalt des gebundenen Ganztags in Stuttgart-Süd“ mit fast 1.000 Unterzeichnern dokumentiert den starken Rückhalt für die Kompetenzen, über die die Heusteigschule im rhythmisierten Ganztag verfügt. Es dauert erfahrungsgemäß Jahre, diese Qualitätsstandards in den multiprofessionellen Teams zu erreichen. Es leuchtet nicht ein, diesen Erfahrungsschatz an einem Standort abzubauen, um ihn am anderen Standort mühsam wieder aufzubauen. Es ist sinnvoller, den Ganztag dort zu etablieren, wo die Qualitätsstandards bereits jetzt vorhanden sind: Am Standort Heusteigschule. Das hätte in der vierjährigen Übergangszeit zur Grundschule Süd zudem den Vorteil, dass sich für die Kinder, die jetzt im Schulbetrieb sind, nichts ändert. Im Szenario der aktuellen Vorlage wäre das umgekehrt und alle Kinder wären tangiert.

Mit der Etablierung der Grundschule Süd werden zunächst wieder Ganztags- und Halbtagsklassen unter einem Dach unterrichtet. Bei ungünstiger Konstellation birgt das die Gefahr von Mischklassen, die eine Rhythmisierung unmöglich machen. Das wäre ein pädagogischer Rückschritt für unser Viertel und gegenüber dem Status Quo. Deswegen: Mischklassen mit allen Mitteln ausschließen.

  1. Bürger ernst nehmen und den Beteiligungsprozess wieder aufnehmen

Im Oktober 2015 wurde ein konstruktiver Beteiligungsprozess mit SVA, SSA, Bezirksbeiräten, Schulleitungen und Eltern gestartet. Ohne Angaben von Gründen wurde dieser Prozess im Januar gestoppt. Dafür soll die jetzt erstellte Vorlage in wenigen Tagen durch die Gremien gepeitscht werden. Die darin vorgesehenen Anhörungen müssen unter großem Zeitdruck stattfinden und haben den Charakter von Alibi-Veranstaltungen. Wir fordern die Wiederaufnahme des Beteiligungsprozesses unter Berücksichtigung aller Argumente.