Politik legt Standort für Grundschule Süd fest – Pädagogik spielt keine Rolle

Der Verwaltungsausschuss des Stuttgarter Gemeinderates hat am 27. Juli 2016 entschieden, die neue Grundschule Süd im Gebäude der jetzigen Römerschule zu gründen. Ab dem Schuljahr 2017/2018 soll damit nur noch an dem auch aus Umweltgründen nach wie vor umstrittenen Standort eingeschult werden. Der Betrieb des gebundenen Ganztags in der Heusteigschule läuft dann aus. Mit dieser Standortentscheidung haben sich die Mitglieder des Verwaltungsausschusses über eine anderslautende und einstimmige Empfehlung des Bezirksbeirates Süd der vergangenen Woche bewusst hinweggesetzt. Dieser wollte den von Konstruktivität geprägten “Runden Tisch” mit Vertretern aus Schulbehörden, Lehrer- und Elternschaft fortgeführt wissen. In dem Beteiligungsprozess sollte die Zukunft der Grundschule Süd unter pädagogischen Aspekten vorangetrieben werden.

“Partizipation und pädagogische Überlegungen waren letztlich nicht erwünscht”, kommentiert der Elternbeiratsvorsitzende der Heusteigschule, Stephan Ferdinand, die Entscheidung. Vielmehr stand im Vordergrund, die Platzprobleme der Schickhardt-Gemeinschaftsschule rasch zu lösen und den Schülerschwund der Jakobschule in Mitte zu stoppen. “Auf dem Rücken unserer Grundschulkinder werden jetzt die Probleme anderer Schulen in Stuttgart-Süd gelöst”, kritisiert der Elternbeiratsvorsitzende. Der Erhalt der fast zehnjährigen Kompetenz im rhythmisierten Ganztag in der Heusteigschule spielte zu keinem Zeitpunkt in der Diskussion ernsthaft eine Rolle, obwohl sich fast 1.000 Petenten in einer Online-Petition dafür stark gemacht hatten. “Rhythmisierter Ganztag hat in Stuttgart keine Lobby”, bilanziert Ferdinand die Entwicklung. Das Signal der Politik an die Elternschaft sei eindeutig: “Engagement für Bildungsgerechtigkeit und für eine gute Schule lohnt sich in Stuttgart nicht.”